BODA BODA (2019)

Project Circleg ist ein junges Projekt von zwei Industriedesignern aus Zürich. Das Team entwickelt zusammen mit Menschen in Uganda und Kenia ein Prothesensystem aus rezikliertem Kunststoff. Für Tests ihres Prototypes in Uganda, begleitete ich Project Circleg dokumentarisch. Müllberge und hochwertige Rohstoffe. Freude und Trauer. Chaos und klare Strukturen. Leben und Tod. Stillstand und Bewegung. Vorurteile und Einsichten. Viele Gegensätze gehen hier Hand in Hand und formen eine Gesellschaft. Vielleicht ist die grösste Errungenschaft dieses Projektes nicht eine Prothese aus wiederverwertetem Kunststoff, sondern ein Kreislauf, der über eine fertige Prothese hinaus geht.

SMUGL - Gedränge im dorf (2019)

Waltensburg/Vuorz ist ein kleines Dorf der Region Surselva im Kanton Graubünden. Um die Menschen und das Dorf kennenzulernen stellte ich mich an den Strassenrand und fotografierte alle Menschen welche von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang durch die Strasse liefen. Ich vereinte die hundertdreiundfünfzig Einzelbilder zu zwei verschiedenen Bildkompositionen. In den meisten Stunden traf ich auf keinen einzigen Menschen. Dafür um so mehr auf Autos auf der Durchreise. In dieser eisigen Kälte wartend, stiess ich auf ein Thema welches das Dorf teilt. Aus wirtschaftlichen Gründen sollen die Gemeinden Brigels/Waltensburg und Andiast fusionieren und eine Verbindungsstrasse gebaut werden. Ob das Dorf dadurch belebt wird und einen Gewinn erzielt oder der Verkehr in der schmalen Strasse das Dorfleben ganz zum Erliegen bringt, ist nicht gewiss.

GENNADI ZARAKUA - DER BERGMANN (2019)

Gennadi ist ein kleiner Mann mit einem kräftigen, ein wenig geduckten Körper. Er lebt alleine in einem kleinen Bergdorf im Abchasischen Kaukasus. Sein Sohn ist in die Hauptstadt gezogen, da ihm das Dorf keine Zukunft bietet. Im Winter benützt er nur ein Zimmer. Das Wohnzimmer wird gleichzeitig auch Schlafzimmer und Küche. Es ist das einzige Zimmer mit Kamin. Im Winter ist es im restlichen Haus zu kalt. So hat er sich auf dem Sofa eingerichtet. Wenn er schlafen geht, hat er einen Dolch – ein Geschenk aus Sowjetischer Zeit – unter seinem Kopfkissen. Das Licht brennt immer, auch am Tag. Die Menschen bezahlen nicht für den Strom. Er kommt vom Enguri-Wasserkraftwerk, welches sich Georgien gezwungenermassen mit Abchasien teilt, da es genau auf der Grenze liegt. Im Licht der Deckenlampe zeigt er mir Fotos von seinen Freunden und Liebschaften, von seiner Familie und von ihm. Er zeigt mir seine Pflanzenlexikas. Er kennt alle Pflanzen und Tiere in der Umgebung. Die Natur ist der grösste Schatz, den er hat. Bei einer Partie Backgammon erzählt er mir von seinen Träumen und verspricht, wenn ich zurück komme, mich mit auf die Jagd in die schneebedeckten Berge zu nehmen.

5700 SCHRITTE - ZWISCHEN HAFEN UND STADT (2018)

Mit dem Ziel, Hochseefischer bei der Arbeit zu fotografieren, reiste ich nach Genua. Wie so oft hatte das Leben jedoch einen anderen Plan. Es tobte ein Unwetter und kein einziges Fischerboot in oder um Genua verliess den Hafen. Mehrere Tage suchte ich die Häfen nach einem übermütigen Fischer ab, musste mich am Ende jedoch geschlagen geben. Resigniert stand ich nun in einem Gebiet zwischen Meer und Stadt – einer Pufferzone, welcher niemand gross Beachtung schenkt. Doch das namenlose Areal – zwischen der Stadt, den hermetisch abgeriegelten Anlegestellen und dem Meer – ist, was alles erst verbindet. Ich widmete mich diesem Streifen auf der gesamten Hafenlänge, mit 228 Fotos. Alle fünfundzwanzig Schritte eines.

CIRCOLINO PIPISTRELLO - MEHR ALS CIRCUS (2017-2019)

Der Circolino Pipistrello ist der grösste und älteste Mitspielzirkus der Schweiz. Von der Tourneeplanung bis zum Zeltaufbau machen die Pipistrelli – wie sie sich selber nennen – alles selber. Zusätzlich zu ihren eigenen Aufführungen proben sie jede Woche mit Kindern, Senioren, Menschen mit Behinderung oder Asylsuchenden eine auf ihre Fähigkeiten zugeschnittene Zirkusgala ein. Seit nun fast drei Jahren fotografiere ich für sie, durfte mehrere Monate mit ihnen leben und sie begleiten. Was sich mir offenbarte war eine Welt aus knatternden Traktoren, farbigen Zirkuswagen, glitzernden Kostümen und Popkorngeruch. Ein richtiges Wunderland voller Abenteuer und Magie. In dieser Zeit lernte ich eine Gemeinschaft einzigartiger Menschen kennen und schätzen. Diese Menschen faszinierten und beeindruckten mich zutiefst. Sie schenkten mir ihr Vertrauen und gewöhnten sich an meine Präsenz. Dies erlaubte es mir sie während den Vorbereitungen, hinter der Bühne und in persönlichen Augenblicken abzulichten. Momente festzuhalten, welche den Besuchern verwehrt blieben.